Warum du bei Kritik sofort dichtmachst, obwohl du weißt, dass sie gut gemeint ist – WAYIN Magazin

Warum du bei Kritik sofort dichtmachst, obwohl du weißt, dass sie gut gemeint ist

Dein Kollege sagt einen Satz. Ganz normal, fast beiläufig. Und trotzdem zieht sich in dir sofort alles zusammen, noch bevor du überhaupt verstehst, warum.

Warum du bei Kritik sofort dichtmachst

Du hörst ihm kaum noch zu. Irgendwas in dir hat schon abgeschaltet. Später, allein, denkst du: Warum reagiere ich so? Er hat doch gar nichts Schlimmes gesagt.

Vielleicht kennst du das Gefühl danach genauso gut wie den Moment selbst: dieses leise warum bin ich immer schuld, das sich meldet, sobald du wieder klar denken kannst. Als hättest du etwas falsch gemacht, nur weil du reagiert hast, wie du reagiert hast.

Das ist die Erklärung, die die meisten sich selbst geben: Ich bin zu empfindlich. Ich hab keine dicke Haut. Ich mache wieder alles falsch. Das ist nicht die Wahrheit. Es ist nur die naheliegendste Erklärung – und die falscheste.

Amy G. Dala
Amy G. Dala
Ihre einzige Aufgabe: in Millisekunden entscheiden, ob etwas gefährlich ist. Nicht ob es wirklich gefährlich ist – ob es sich so anfühlt wie etwas, das früher mal gefährlich war. Sobald sie Alarm schlägt, übernimmt Automis: Kampf, Anpassung, Rückzug oder Freeze.

Das passiert, bevor du „denken“ konntest. Nicht weil du schwach bist. Weil das System schneller ist als dein Verstand – das ist seine Funktion, nicht sein Fehler.

Deine Reaktion kam nicht zu spät. Sie kam pünktlich – nur zu einem Alarm, der mit der aktuellen Situation eigentlich gar nichts zu tun hatte.

Das verändert die Frage. Nicht mehr warum mache ich immer alles falsch, sondern: Wessen Alarm hat hier gerade wirklich losgeschrien? Oft ist es gar nicht der Satz deines Kollegen. Es ist ein viel älterer Moment, den Amy für einen Augenblick mit der Gegenwart verwechselt hat.

Du fühlst dich nicht schlecht, weil du zu sensibel bist. Du fühlst dich schlecht, weil dein System dich gerade beschützt hat – vor etwas, das längst vorbei ist.

Das macht die Reaktion nicht „richtig“ oder „falsch“. Es macht sie verständlich. Und verständlich ist der erste Schritt, bevor überhaupt irgendetwas anders werden kann.

Du musst hier nichts sofort ändern. Es reicht, wenn du das nächste Mal, wenn sich in dir alles zusammenzieht, kurz innehältst und fragst: Ist das gerade wirklich gefährlich – oder hat Amy nur Ähnlichkeit erkannt?

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